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Ü40 – REISEN & erLEBEN –

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Urlaub aus der Flasche oder wie aus Pleiten wunderschöne Erinnerungen werden

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Wie witzig, ich bekomme eine Kiste Wein geschickt, damit ich ein wenig aus dem (Reise-) Nähkästchen plaudere. Keine schlechte Idee, vor allem hat es mir riesigen Spaß gemacht, mich wieder mal an ein eigentlich total verkorkstes Wochenende zu erinnern, das in meinem Erinnerungen aber mittlerweile das Prädikat „besonders wertvoll“ erhalten hat. Aber ist es nicht immer so, dass wir über die kleinen Missgeschicke und Fauxpas mit ein wenig Abstand am herzlichsten lachen können?!
Lange habe ich überlegt, welche (Reise-) Geschichte ich denn hier für „Urlaub aus der Flasche“ zum Besten geben könnte. Bei einem gemütlichen Gläschen Wein, erzählt man ja vielleicht doch auch einmal die eine oder andere Geschichte, die man sonst nicht unbedingt preisgeben würde …
Mir ist hierzu eine Geschichte eingefallen, die sowohl mit Reisen, als auch mit Wein zu tun hat und über die ich mich bis heute noch köstlich amüsieren kann, obwohl sie nun schon so viele Jahre zurückliegt.
Damals war mein lieber Exmann noch nicht mein Exmann (und das mit dem lieb meine ich genauso, wie ich es sage), denn damals waren wir noch ein Paar. Unsere Tochter war noch nicht einmal geplant und so waren wir jedes Wochenende irgendwie unterwegs. Meistens habe ich ihn freitags gleich nach der Arbeit abgeholt und wir sind zusammen ins Wochenende gestartet. Irgendwohin … hauptsache unterwegs und etwas Schönes unternehmen!

Oft haben wir uns irgendwo ein Zimmer gemietet, doch an diesem besagten Wochenende hatte uns wohl hierfür irgendwie die Zeit gefehlt und so haben wir kurzerhand unser Zelt ins Auto geschmissen, den Grill, unsere herrlich bequeme Doppelluma, Schlafsack und … natürlich das eine oder andere gute Fläschchen Rotwein (damals waren wir im Gegensatz zu heute noch Rotweintrinker) … und dann ging`s auch schon los.
Da wir wie gesagt, erst nach der Arbeit starten konnten, kamen wir entsprechend spät auf dem Campingplatz an. Doch das war egal, denn eigentlich wollten wir an diesem Abend ja bloß noch gemütlich vor unserem Zelt ein wenig grillen, ein Gläschen (Rot-)Wein trinken und einen romantischen Abend verbringen.
Gut gelaunt packten wir also unser Zelt aus und fingen an, es aufzubauen … bis wir bemerkten, dass unser Zelt Schimmel angesetzt hat. Beim letzten Einpacken musste es wohl noch feucht gewesen sein und jetzt sahen und rochen wir das Ergebnis. Schnell war klar, dass wir in diesem Zelt unmöglich übernachten konnten. Was für ein Pech! Das Zelt war eindeutig ein Fall für die Tonne!
Ein Blick auf die Uhr zeigte außerdem, dass wir maximal noch dreißig Minuten Zeit hatten, bis die Geschäfte schlossen und wir wussten nicht einmal, wo hier der nächste Campingbedarf sein sollte. Aber wir waren fest entschlossen, uns unser Wochenende nicht vermiesen zu lassen und so rannte ich schnell zur Rezeption, um mich nach dem nächstgelegenen Campingbedarf zu erkundigen. Der etwas merkwürdige „Blogwart“ erklärte mir, dass es bis zum nächsten Campingbedarf mindestens 50 km sei und das es in der unmittelbaren Nähe (von 20 km) nur ein Sportgeschäft gäbe … möglicherweise hätten die auch Zelte. Nun ja, das war immerhin ein Lichtblick und so spurteten wir los, um besagtes Sportgeschäft noch vor Ladenschluss zu erreichen.
Fünf Minuten vor Ladenschluss kamen wir tatsächlich an und die einzige Verkäuferin war entsprechend unmotiviert uns überhaupt noch zu bedienen. Der einzige Satz, den sie rausbrachte: „Wir schließen jetzt.“ Gut, aber wir brauchen jetzt unbedingt noch ein Zelt. Die Verkäuferin war total genervt und fing an, ihre Kasse zu kontrollieren.
Mein Blick fiel auf eine Reklame mit ein paar kleinen Zeltpaketen davor. Hier wurde ein sogenanntes Leicht-Zelt beworben, mit nur 1 kg Gewicht. „Genial – das ist es!“, rief ich gleich begeistert. „Ein Leichtzelt wollte ich schon immer haben und das können wir super auf unseren Radtouren mitnehmen“, schwärmte ich meinem Mann vor. Der war zwar etwas skeptisch, aber in Anbetracht der Zeit und meiner strahlenden Augen 😉 packten wir das „Leichtzelt“, gingen zu der „freundlichen“ Verkäuferin und zahlten. … Jetzt schnell wieder zum Campingplatz, Zelt und Grill aufbauen und der Abend ist gerettet!

Auf dem beiliegenden Bild sieht das Zelt eigentlich ganz geräumig aus und  Packmaß und Gewicht sind einfach nur gigantisch ... ©entdecker-greise.de

Auf dem beiliegenden Bild sieht das Zelt eigentlich ganz geräumig aus und Packmaß und Gewicht sind einfach nur gigantisch … ©entdecker-greise.de

Während der Rückfahrt inspizierte ich unser neues Zelt ein wenig genauer und auf einmal konnte ich mich kaum noch halten vor Lachen. Mein Mann sah mich misstrauisch an und fragte nach, was denn so witzig sei. „Ich weiß jetzt, warum das Zelt so leicht ist,“ prustete ich. „Ja und, warum?“ er sah mich verständnislos an. „Na ja, hier steht etwas von Einmann-Zelt“, grölte ich.
OK … wir hatten das Zelt ja bloß verpackt sehen können und ich hab wohl nur noch Leicht-Zelt und 1 kg gesehen … klassischer Tunnelblick könnte man da wohl sagen. Wieder ein Blick auf die Uhr und es war klar, dass es keine Alternative mehr gab. Also Augen zu und das Beste aus der Situation machen. Wir fuhren zurück zum Campingplatz und bauten unser Einmann-Zelt auf. Das Zelt war wirklich unverschämt winzig und wir witzelten, ob wir nun nebeneinander schlafen würden oder übereinander. Um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, pumpte ich tapfer unsere Doppelluma auf und bat meinem Mann das Zelt aufzuschneiden, damit wir die Doppelluma einlegen könnten. :-)
Gut, die Doppelluma blieb draußen und diente und an diesem Wochenende nur als Sitzgelegenheit außerhalb des Zeltes. … Wir hatten dennoch einen urgemütlichen Abend und haben uns die ganze Zeit darüber amüsiert, dass wir die Nacht in diesem winzigen Zelt verbringen würden. Der Grill brannte, wir hatten Kerzen angezündet und beim Essen tranken wir gemütlich ein gutes Gläschen Rotwein vor unserem Mini-Zelt und unter einem sternenklaren Himmel, irgendwo in der Eifel … könnte irgendetwas romantischer sein?!

Hier sieht man dann das tatsächliche Ausmaß ... das wird ganz schön kuschelig ... ©entdecker-greise.de

Hier sieht man dann das tatsächliche Ausmaß … das wird ganz schön kuschelig … ©entdecker-greise.de

Irgendwann krochen wir irgendwie in dieses Zelt und verabredeten noch lachend, das wenn einer sich umdrehen wollte in der Nacht, er das Kommando dazugeben müsste, damit wir dies gleichzeitig machen könnten, ohne das Zelt zu zerstören. 😉 … Ich fand es herrlich, so eng aneinandergekuschelt einzuschlafen …
Am nächsten Morgen wurden wir von „unverschämten Kinderlärm und Kindergegröle“ wach. 😉 … Da hatten sich doch tatsächlich alle Kidies vom ganzen Campingplatz „zusammengerottet“ und machten sich nun gemeinsam über unser Zelt lustig. „Was ist das denn für ein Pipizelt?“ konnten wir in unserem famosen Zelt hören. Ein anderer mutmaßte: „ Die haben bestimmt nur ganz wenig Geld!“ Dann wieder grölendes Gelächter. Ganz ehrlich hätten wir zu diesem Zeitpunkt und nach dieser Nacht ohne Luma nicht jeden einzelnen Knochen gespürt, wir wären sowas von aus unserem Zelt geschossen gekommen … 😉 … Statt dessen kroch mein Mann zuerst aus unserem Mini-Zelt und half mir dann netterweise, mich auch irgendwie herauszupellen. Noch mehr Gelächter bei den Kids und wir mussten natürlich wieder mitlachen, allerdings tat uns wirklich jeder Knochen im Körper weh.
Nach dem ersten Kaffee und einer heißen Dusche sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Die Kinder betrachteten uns als „besonders besuchenswert“ und kamen immer wieder vorbei um uns „ein Ohr abzukauen“. Wir machten uns indessen einen schönen Tag und krochen abends noch einmal in unser mondänes Lager, diesmal allerdings zum letzten Mal, denn danach haben wir das Zelt leider nie wieder benutzt.

Nun ja, der Ein- und Ausstieg ist auch nicht ganz so einfach ... ©entdecker-greise.de

Nun ja, der Ein- und Ausstieg ist auch nicht ganz so einfach … ©entdecker-greise.de

Doch was soll ich Euch sagen :-) … ich habe dieses Zelt, obwohl wir es tatsächlich niemals wieder benutzt haben aufbewahrt. Und zu Ehren dieser Geschichte, dem Projekt „Urlaub aus der Flasche“ und natürlich für Euch habe ich das Zelt noch einmal aufgebaut, um es Euch zu zeigen. Ihr seht, hier kann man wirklich nur zu zweit drin schlafen, wenn man entweder total verliebt oder total be… ist … wir waren natürlich beides! 😉
Schön finde ich jedoch, wie sich solche Pleiten mit der Zeit ins genaue Gegenteil verkehren und sich dann derart positiv aufgeladen ins Hirn einbrennen, um dort immer und immer wieder für schöne Erinnerungen und Gefühle zu sorgen. Ich jedenfalls muss immer wieder lachen, wenn ich an dieses besondere Wochenende denke.
Heut Abend habe ich übrigens gemeinsam mit meinem Exmann – der heute mein bester Freund ist – die Grillsaison eröffnet. Bei einem im Barrique Fass gereiften Dornfelder und dem aufgebauten Mini-Zelt in meinem kleinen Garten habe wir uns gemeinsam an dieses Wochenende erinnert und uns wieder köstlich amüsiert, als ich mich nun fast zwanzig Jahre später, in bester Weinlaune, noch einmal in das Zeltchen gequetscht habe 

Weinselige Erinnerungen und Erkenntnisse für das Projekt - Urlaub aus der Flasche ©entdeckerg-greise.de

Weinselige Erinnerungen und Erkenntnisse für das Projekt – Urlaub aus der Flasche ©entdeckerg-greise.de

Wie das war, davon erzähle ich Euch dann beim nächsten Urlaub aus der Flasche 😉 … Was für immer bleibt, ist ein witziger Fauxpas und eine lebenslange wunderschöne Erinnerung an ganz bsondere Momente!
Habt Ihr auch schon einmal solche Pleiten erlebt, über die Ihr im Nachhinein immer wieder gerne lacht?!

Ich wünsche Euch viel Spaß dabei, in Euren Erinnerungen zu schwelgen!

Autor: Monika Baum

Ü40 und Reise-Greis(in), außerdem (Spät-)Entdecker(in) und Abenteurer(in) aus Leidenschaft

6 Kommentare

  1. Das hätte von mir sein können, aber sowas von! :) Welch Aktion :)

    • Ich finde es immer toll, wenn man dann wenigstens über sich selbst lachen kann 😉 und ich muss sagen … manchmal hab ich richtig Spaß mit mir, wenn mal wieder alles schief läuft … :-)

  2. Herrliche Geschichte ! Erinnert mich so an „einmal im Ferienlager ;)“
    Redseelig werd ich auch ohne Wein – aber mit Cocktails kriegt man mich 😀

    Mehr davon !!

  3. Oh, das ist aber eine schöne Geschichte! Und jetzt hast Du ein Weinzelt!

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