Entdecker(g)reise

Ü40 – REISEN & erLEBEN –

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Dokumentationsstätte Regierungsbunker Bad Neuenahr

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Das war wirklich mal eine Führung der ganz besonderen Art, die meine Gefühlswelt ganz schön ins Rotieren gebracht hat. Gruselfaktor, Schaudern, Mitleid und Fassungslosigkeit, alles vermischte sich hier mit dem Erstaunen über die schier grenzenlose menschliche Dummheit.
Tatsächlich habe ich mich während der gesamten Führung durch diesen Regierungsbunker permanent gefragt, was denn hier nun eigentlich dokumentiert wird … und wirklich klar ist es mir bis zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht geworden.
Ist es das Können der Architekten, eine solche unterirdische Stätte zu planen und zu erbauen? … Die Möglichkeiten der Macht, eine Planungs- und Baumaßnahme solchen Ausmaßes über Jahre hinweg (mehr oder weniger) geheim zu halten? … Die Rücksichtslosigkeit derer, die hier ihre eigene „Rettung“ minutiös geplant haben, bei gleichzeitigem Wissen, dass selbst jene, die an der Erschaffung dieses Werkes mitgewirkt haben haben dem sicheren Tod geweiht wären? … Oder etwa doch die Dummheit der Menschen sich gegenseitig mit dem atomaren Overkill zu drohen und sich dabei gleichermaßen der Hoffnung hinzugeben selbst mit heiler Haut davon zu kommen?!

Die Dokumentationsstätte Regierungsbunker vor Bad Neuenahr Ahrweiler ©entdecker-greise.de

Die Dokumentationsstätte Regierungsbunker vor Bad Neuenahr Ahrweiler ©entdecker-greise.de

Nur ein schlichter Schriftzug verweist auf das wohl teuerste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ©entdecker-greise.de

Nur ein schlichter Schriftzug verweist auf das wohl teuerste Bauwerk in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ©entdecker-greise.de

Die wahre Erkenntnis liegt wohl nicht nur auf diesem Bild im Halbdunkeln. ©entdecker-greise.de

Die wahre Erkenntnis liegt wohl nicht nur auf diesem Bild im Halbdunkeln. ©entdecker-greise.de

3000 Menschen hätten hier – theoretisch – 30 Tage lang ohne Kontakt zur Außenwelt überleben können und sollen.

Menschen wie DU und ICH wären nicht unter diesen 3000 Menschen gewesen. Niemand den ich liebe und wertschätze wäre würdig befunden worden, hier im Ernstfall Schutz zu finden. Nicht einmal jemand den ich kenne hätte diese Chance bekommen und ich gehe davon aus, dass es sich bei DIR und DEN MENSCHEN, DIE DU LIEBST, nicht anders verhält. WIR wären im Ernstfall gleich tot gewesen oder aber wären jämmerlich – ich kenne es nur aus entsprechenden Abschreckungsfilmen aus meiner Schulzeit – gestorben. Das hinterlässt schon ein merkwürdiges Gefühl, oder?!
Wem vertrauen wir und warum? Wie schaffen wir Menschen es immer wieder, derartig zu entgleisen, dass ein solcher Wahnsinn möglich ist, ja sogar von unseren vermeintlich klügsten Köpfen konstruiert und initiiert wird? Doch wenn wir beginnen, uns darüber zu wundern, müssen wir auch die Frage zulassen, wie es in unserer eigenen – „kleinen Lebenswelt“ aussieht … in unseren Arbeitsverhältnissen, unseren Freundeskreisen und unseren Familien … ist es dort tatsächlich anders? Besser?
Wie leben wir? Befinden wir uns hier und da im Kalten Krieg, überleben an der einen oder anderen Stelle durch Machtdemonstration und Bedrohung anderer – vielleicht auch nur ganz subtil? Leben wir solidarisch und sind eine Stütze für andere Menschen oder haben wir uns unsere eigenen Bunker gebaut, kleine Machtzentralen, die wir der Geheimhaltung unterworfen haben, mit der wir unsere eigene kleine Macht sichern und verteidigen und dabei seelenruhig zusehen, wie die „Nichtwissenden“ chancenlos bleiben?
Eine Führung durch diesen „Ausweichsitz der Verfassungsorgane des Bundes“ ist so interessant wie brisant, wenn man sich darauf einlässt, sich den Fragen zu stellen, die bei einem solchen Besuch unweigerlich aufkommen.

Beton und Stahl, Türen, Mauern ... eine bedrückende Stimmung macht sich schon gleich nach dem Betreten des Bunkers breit. ©entdecker-greise.de

Beton und Stahl, Türen, Mauern … eine bedrückende Stimmung macht sich schon gleich nach dem Betreten des Bunkers breit. ©entdecker-greise.de

Demonstration der Schließung des Rolltores am Eingang zum Regierungsbunker ©entdecker-greise.de

Demonstration der Schließung des Rolltores am Eingang zum Regierungsbunker ©entdecker-greise.de

Unglaublich, was man hier konstruiert hat - ein MAN Rolltor aus 25 Tonnen Stahl und Beton ©entdecker-greise.de

Unglaublich, was man hier konstruiert hat – ein MAN Rolltor aus 25 Tonnen Stahl und Beton ©entdecker-greise.de

Nach dem Betreten des Bunkers wurde uns zuerst die Schließung eines der MAN-Rolltore, aus 25 Tonnen Stahl und Beton demonstriert. Eine ohrenbetäubende Sirene heulte auf, zusätzlich ein warnendes Blinklicht und in kürzester Zeit schließt sich das Tor. Wer hier zwischen Tor und Wand gerät wird unweigerlich zermahlen. Das Tor ist geschlossen und wir stehen vor einer dicken Betonwand. – Ein bedrückendes Gefühl, auch ohne atomare Bedrohung. Ich frage mich, welche Seite dieser Mauer in einem Ernstfall tatsächlich das erträglichere Schicksal gewesen wäre. Was für ein Geniestreich, sich hier in diesen Räumen das eigene Überleben zu sichern – wie lange … und für welchen Preis? Sind unsere schlauen Köpfe vielleicht doch nicht einmal halb so schlau wie sie meinen, und wie wir meinen?

Eine kleine unterirdische Stadt wurde hier im Ahrtal zur vermeintlichen Rettung von auserwählten 3000 Menschen erbaut. ©entdecker-greise.de

Eine kleine unterirdische Stadt wurde hier im Ahrtal zur vermeintlichen Rettung von auserwählten 3000 Menschen erbaut. ©entdecker-greise.de

Überall Tore, Sicherheitsschleusen und lange Gänge im Regierungsbunker Ahrweiler. ©entdecker-greise.de

Überall Tore, Sicherheitsschleusen und lange Gänge im Regierungsbunker Ahrweiler. ©entdecker-greise.de

Die Kommandozentrale im Regierungsbunker ©entdecker-greise.de

Die Kommandozentrale im Regierungsbunker ©entdecker-greise.de

Der Sanitätsraum des Regierungsbunkers. ©entdecker-greise.de

Der Sanitätsraum des Regierungsbunkers. ©entdecker-greise.de

Wir gehen weiter in den Bunker hinein, sehen Kommandozentralen, Schreibstuben, Schlafräume, Küchen, Sanitätsräume … alles, was man eben so zum Überleben braucht … und noch ein wenig mehr … oder hättet Ihr einen voll eingerichteten Frisörsalon in einem solchen Bunker erwartet? Immerhin ein Raum, indem man möglicherweise noch zwei, vielleicht sogar vier Menschen hätte unterbringen und damit retten können.
Irgendwie wirkt all das hier wie in einem schlechten Film – vor allem vor dem Hintergrund der Erläuterungen, wie oft die einzelnen Länder hätten die Erde zerstören können. Als ob ein einziges Mal nicht schon endgültig und ausreichend genug wäre.

Schutzanzüge unterschiedlichster Art ... ©entdecker-greise.de

Schutzanzüge unterschiedlichster Art … ©entdecker-greise.de

... das reinste Horrorszenario, hier im Regierungsbunker Ahrtal ©entdecker-greise.de

… das reinste Horrorszenario, hier im Regierungsbunker Ahrtal ©entdecker-greise.de

Hier wird uns erklärt, wie oft die einzelnen Nationen die Erde hätten vernichten können, was für ein Aberwitz. ©entdecker-greise.de

Hier wird uns erklärt, wie oft die einzelnen Nationen die Erde hätten vernichten können, was für ein Aberwitz. ©entdecker-greise.de

Ich für meinen Teil sehe in all dem nur den Wahnsinn, der mich aus allen Ecken und Winkeln angrinst. Das bedrückende Gefühl, das mich ganz zu Anfang begleitet hat, wird zwar im Laufe der Führung ein wenig abgemildert, aber irgendwie bleibt es doch und ich spüre instinktiv, dass ich es wieder abstreifen möchte. Es ist interessant, es ist spannend, es ist erschreckend und es ist zutiefst beeindruckend, doch hinterher habe ich das Gefühl, dass ich all dieses Negative wieder loswerden möchte. Und so bin ich froh, dass ich mich bereits vor meinem Besuch im ehemaligen Regierungsbunker dazu entschieden habe, danach noch eine Wanderung zu unternehmen. Die Natur um mich herum hilft mir, all diese Eindrücke sacken zu lassen und zu verarbeiten.

Bis zu dem Besuch des Regierungsbunkers hatte ich die trügerische Hoffnung, dass ein ziviler Bevölkerungsschutz auch mir geholfen hätte. ©entdecker-greise.de

Bis zu dem Besuch des Regierungsbunkers hatte ich die trügerische Hoffnung, dass ein ziviler Bevölkerungsschutz auch mir geholfen hätte. ©entdecker-greise.de

Diese Männer haben hier gebaut und geschuftet, ob ihnen klar war, was und für wen sie hier bauen ... ©entdecker-greise.de

Diese Männer haben hier gebaut und geschuftet, ob ihnen klar war, was und für wen sie hier bauen … ©entdecker-greise.de

 

Wer hätte im Erstfall tatsächlich in die Röhre geschaut - und läßt sich diese Frage wirklich beantworten ... ©entdecker-greise.de

Wer hätte im Erstfall tatsächlich in die Röhre geschaut – und läßt sich diese Frage wirklich beantworten … ©entdecker-greise.de

Ein monument menschlicher Dummheit und ein Monument des Schreckens, doch lernt die Menschheit tatsächlich etwas dazu ... ©entdecker-greise.de

Ein monument menschlicher Dummheit und ein Monument des Schreckens, doch lernt die Menschheit tatsächlich etwas dazu … ©entdecker-greise.de

Ich liebe die Natur und ich liebe das Leben, aber diese Führung hat mir gezeigt, dass Leben und Überleben nicht unter allen Umständen das erstrebenswerteste Ziel ist. Das wir Menschen diese Umstände provozieren können ist keine schöne Erkenntnis, aber eine realistische.
Ich möchte Euch dennoch meine Empfehlung aussprechen, Euch diesen Regierungsbunker einmal anzusehen und das nicht nur, weil die Menschen des „Heimatvereins Alt Ahrweiler“ hier mit soviel Herzblut und ehrenamtlicher Eigeninitiative dies ermöglichen. Der Besuch dieser Stätte macht nachdenklich und das ist gut so. Es ist interessant sich dies alles anzusehen und mindestens ebenso interessant, den eigenen aufsteigenden Gefühlen, Fragen und Antworten nachzuspüren.
Mein ganz persönlicher Tipp: Plant Euch nach dem Besuch etwas ruhiges, vielleicht sogar beruhigendes sein … eine Wanderung auf dem Ahrsteig … ein Spaziergang auf dem Rotweinwanderweg … oder einfach nur ein Gläschen Wein bei einem der naheliegenden Winzer …
Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken!

Ich selbst wurde von RLP-Tourismus zu diesem spannenden und beeindruckenden Besuch des ehemaligen Regierungsbunkers eingeladen, weiterführende Informationen findet Ihr aber auch bei Ahrtal-Tourismus.
Meine Tipps für Ahrweiler und Umgebung findet Ihr hier:

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Autor: Monika Baum

Ü40 und Reise-Greis(in), außerdem (Spät-)Entdecker(in) und Abenteurer(in) aus Leidenschaft

3 Kommentare

  1. Pingback: #sonntagslektüre 12-2015 | neontrauma.de

  2. Wow, das ist wirklich sehr beeindruckend. Danke für den ausführlichen Bericht. Und vor allem für die Bilder!

  3. Pingback: Landvergnügen – der perfekte Trip fürs Wochenende | Entdecker(g)reise

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